Umbau-Tipps

WARNHINWEIS (der MUSS leider sein):

Alle hier vorgestellten Tuning-Tipps sind nicht für Leihen gedacht. Bei unsachgemäss ausgeführten Arbeiten können Sie die Lautsprecher IRREPARABEL beschädigen !!
Ich übernehme weder eine Erfolgsgarantie, noch die Verantwortung für Arbeiten, die Sie aufgrund der folgenden Beschreibungen selber durchführen !!
SIE HANDELN AUF EIGENES RISIKO !!!


Projekt 03 - XEO - Frequenzweiche neu auslegen

 

Startschuß - Januar 2021:

Seit mittlerweile 10 Jahren ist die XEO (Baujahr 1998) nun in meinem Besitz. Und, was soll ich sagen: das, was ich immer als herausragenden Pluspunkt an den "alten" Scriptum Modellen geliebt habe und wo ich deshalb gerne Abstriche bei der tonalen Abstimmung in Kauf genommen habe, nämlich ihre Fähigkeit wie selbstverständlich einen imaginären, 3-dimensionalen Raum aufzuspannen, -das kann die/meine XEO einfach nicht so, wie ich es erwarte.
Eine gewisse, recht begrenzte Räumlichkeit konnte sie bei mir nur erzielen, wenn ich aufrecht stand; im Sitzen war kaum eine räumliche Tiefe raushörbar.
Ich hatte in dieser Hinsicht die XEO nie in Frage gestellt. Ich war mir SICHER, daß sie von Haus aus mehr kann und daß diese Schwäche woanders zu suchen ist, am akustisch suboptimalen Wohnzimmer, an Anlagenkomponenten, ...

In den 10 Jahren und mehreren Umzügen in andere Räumlichkeiten habe ich viele Dinge ausprobiert, Anlagenkomponenten getauscht, die Weichen in ein externes Gehäuse ausgelagert, mehrfache Kontaktreinigungen und -versiegelungen an den Steckverbindern durchgeführt, usw.
Fazit: NICHTS hat geholfen. Meine XEO konnte mich nicht überzeugen.

    • Ende 2020: Ich habe mich endlich in das Thema Lautsprechermesstechnik und -simulation gestürzt. Hobbybox (HBX) mit einer eigens designten Breakout-Box, ein Selbstbau-Messmikrofon samt Vorverstärker auf Basis der Empfehlungen von Siegfried Linkwitz, einige Stunden testen und optimieren der Messkette und endlich konnte es losgehen. Was ich da in meinem Hörraum ausgemessen und parallel mit Xsim simuliert habe, war doch sehr interessant und gab mir einen eindeutigen Hinweis, wo der Hase im Pfeffer liegt. Der 17w75 und der 24w100 laufen über mehrere Oktaven bis weit in den Mittenbereich nahzu parallel.
      Dadurch bekommt man zwar etwas mehr Schallpegel und kann so den Wirkungsgrad um ein paar dB steigern. Das unterschiedliche Zeitverhalten der beiden Chassis ist aber für die präzise räumliche Abbildung eher suboptimal, wenn sie so betrieben werden. Dazu kommt noch, daß speziell Frauenstimmen bei einigen Aufnahmen (z.B. Diana Krall - The Girl in the other Room) in meiner Wiedergabekette und in meinem Hörraum so klangen, als ob die Sängerin beide Hände wie einen Trichter vor den Mund hält.

Um es kurz zu machen: Nach dem dritten Weichenprototyp (der auf Basis von Xsim-Simulationen entstanden ist) habe ich nun eine XEO, die für mich die KLASSISCHEN Scriptum-Tugenden verkörpert.
Absolut tolle Räumlichkeit in Tiefe und Breite, -und das aus der sitzenden Hörposition (!)-, eine Feinauflösung in den Mitten, die die Original-XEO nicht bietet und aufgrund der oben beschriebenen Abstimmung nicht bieten kann. Bei guten Aufnahmen "sieht" man quasi genau die Bewegung des Sängers vor dem Mikrofon.
UND, endlich verweist sie die wirklich gute, kleinere Thrax DEUTLICH auf ihren niedrigeren Platz. Der Unterschied war vorher längst nicht so groß.

ABER, sie hat auch (noch) ihre Schwächen:
Stimmen klingen teilweise etwas zu dunkel. Hier möchte ich speziell die Alben von Sara K. anführen. Das klingt noch nicht nach einer prägnanten Frauenstimme. Richtig "Live", also so, als wenn die Sänger/Sängerinnen tatsächlich bei mir zuhause vor mir stehen, mit dem gewissen Live-Kick, klingt's auch noch nicht. Bei vielen Instrumenten, wie akustische Gitarren, Kontrabass, u.a. passt das schon recht gut. Das hängt natürlich sehr stark von der Aufnahme ab. Aber ich denke, da könnte bei den Stimmen noch mehr gehen.

In jedem Fall macht nun ENDLICH das Hören mit meiner XEO Spaß, eine Reise durch meine CD-Sammlung bringt neue und wunderbare Klangüberraschungen hervor. Bisher als schlecht qualifizierte Aufnahmen zeigen auf einmal vorher verborgene räumliche Highlights (z.B. Tom Waits - The Fall of Troy). MP3s von sehr guten Aufnhmen über Spotify klingen im Vergleich zu meinen CD-Rips über den Netzwerkplayer deutlich schlechter, da einfach Rauminformation durch die Komprimierung der MP3s verloren geht.
Und, last but not least: meine Anlagenkomponenten können tatsächlich Räumlichkeit, was so vorher nie hörbar war.
UNGLAUBLICH, was die mittlerweile über 20 Jahre alten Dynaudio-Chassis klanglich zu bieten haben !!!!!
Der Weg ist aber noch nicht zu Ende. Ich werde in den nächsten Monaten eine eigene Projektseite hier einrichten und das Ganze dokumentieren, mit Bildchen, Kommentaren, etc.

Diese erste Erfahrung relativiert zum einen die von mir getroffene Aussage, daß jede neue Scriptum in ihrer Klasse besser ist als ihre Vorgänger, andererseits scheinen der damalige Entwickler und mit ihm Lutz Overbeck im Laufe der Jahre eine andere Klangphilosopie entwickelt zu haben. :-(

Update Dezember 2022:

    • Nach mehreren Monaten auf Irrwegen, bzw. mit Weichen-Versionen, die mich nicht überzeugen konnten, hat die XEO nun noch einmal einen deutlichen Schritt nach vorne gemacht.
      Nun klingen auch Aufnahmen gut und enthüllen ihre gute Aufnahmequalität, die ich bisher als klanglich eher weniger gut eingestuft hatte. Es ist schon beeindruckend, wie gut tatsächlich Spotify-Musik in der komprimierten Form (allerdings in der High Quality Stufe) klingen kann !! UND, die Abstrahlcharakteristik der XEO zielt nun auf Ohrhöhe in Sitzposition. D.h. auf dem Sofa am "Sweet Spot" klingt's am besten.
      So, nun lasse ich mal die Katze aus dem Sack, bzw. die Weiche aus dem Nikolaus-Beutel, da die Weiche tatsächlich um die Nikolauszeit 2022 entstanden ist:

Sie ist etwas unkonventionell und an dieser Steller ein klarer WARNHINWEIS für Nachbauer: Die Impedanz der Weiche geht im Hochton bei rund 4 kHz auf 3 Ohm herunter !
Das muß eure Endstufe verkraften ! Bei Endstufen, die für 4 Ohm spezifiziert sind, sollte es keine Probleme geben.

Hier noch ein paar Simulationsdaten aus Xsim:

        1. Frequenzgang:

2. Impedanzverlauf:

3. Gruppenlaufzeit:

Zusätzlich habe ich die Variovents auf der Rückseite stillgelegt und habe damit eine geschlossene Box, so wie die 6S, die ja dasselbe Gehäuse wie die XEO hat. Allerdings fehlen der XEO ein paar Liter Bassvolumen, da ja das Volumen für den Mitteltöner 17w75 auch noch im Baßgehäuse untergebracht ist.
In meinem Setup paßt das so am besten.

Fazit: So macht mir die XEO RICHTIG Spaß !!!

Was könnte ich mir sonst noch wünschen:

      • womit ich bei sooooo vielen Lautsprechen Probleme habe, das sind deutliche, seitliche Verschiebungen der Klangmitte (da, wo bei den meisten Aufnahmen der Sängers abgemischt ist), wenn ich meinen Kopf nur 2-3 Zentimeter nach links oder rechts bewege. Also, nicht drehen, sondern seitlich verschieben. Dann hüßft formlich die Stimme des Sängers seitlich aus der Mitte heraus. Dafür habe ich noch keine Erklärung gefunden.
        Ich hatte gehofft, dies durch Einwinkeln der Lautsprecher kompensieren zu können, was aber nicht klappt.
        => Also suche ich dafür noch eine Lösung.
      • Stimmen könnten noch ein Bißchen realistischer klingen. Ein schwieriges Thema, da anscheinend bei Stimmen jeder Toningenieur seine eigene Philosophie hat und natürlich auch für jedes Zielmedium entsprechend abgemischt wird. Was meine ich damit ? 
        Wenn eine Aufnahme hauptsächlich als Hit platziert werden soll, dann muß der Song aus dem Radio, auf dem Handy, sprich auf den Massenabspielgeräten "gut" klingen. Das sind aber ganz andere Anforderungen, als wir sie an audiophile Aufnahmen stellen.
        => das wird schwierig, dazu muß ich mir zunächst ein paar Aufnahmen raussuchen, von denen ich denke, daß die Stimmen bereits möglichst realisitisch / direkt und möglichst ohne verfälschende Effektgeräte aufgenommen wurden und so weit "vorne" im Klanggeschehen positioniert, wie irgend möglich.

Bei den Bauteilen muß ich noch etwas tunen:

      • Für die die Baßspule hatte ich erst mal für Testzwecke eine kostengünstige Monacor Lösung gewählt. Hier ist potential.
      • Die kleine Spule im Hochtonzweig ist aktuell sehr günstig ausgelegt. Da gibt's demnächst eine Lösung mit dickerem Draht.
      • Die ganzen Folien-Kondensatoren im Signalweg sind der Originalweiche entnommen, also alles IT Zinnfolientypen. Da gibt's zu vernünftigen Preisen nicht viel zu
        optimieren. Die Elkos in der Impedanzkorrektur von Baß und Mitteltöner könnten noch etwas hochwertiger sein.

Da die XEO in der aktuellen Abstimmung so detailliert auch bei geringeren Pegeln spielt, suche ich weiteres Klang-Potential erst mal bei Änderungen an der Wiedergabekette.
Mein Denon DNP-730AE, dem ich bereits einen gleichspannungs-gekoppelten Ausgang mit passiver Offset-Kompensation spendiert habe, soll andere Ausgangs-OPs und einen Shuntregler für die analoge Spannungsversorgung bekommen. Aber, das ist eine andere Story . . . . . .